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Chronik & Brauchtum

Geschichte der Altshauser Fasnet

Die Altshauser Fasnet ist seit 1414 urkundlich belegt. Wann sie tatsächlich zum ersten Mal gefeiert wurde, lässt sich mangels schriftlicher Quellen nicht sagen – sicher ist, dass das närrische Treiben tiefe Wurzeln hat.

Chronik

Was ist wann passiert?

Die Anfänge und das 19. Jahrhundert

  • 1414Erste urkundliche Erwähnung der Fasnet in Altshausen.
  • 1869Der Fasnachtsmontag ist der wichtigste Tag. Um 6 Uhr ertönt die Tagwache mit 101 Kanonenschüssen. Unter dem Motto „Kampf des Frohsinns mit dem Philistertum“ zieht ein Umzug durch den Ort, angeführt von einem Fasnetsprinzen und dem Verein „Concordia“.
  • 1882Ein historischer Festzug stellt den Besuch des Hochmeisters Caspar von Ampringen beim Landkomtur Philipp von Berndorff nach.

Zwischenkriegszeit und Karneval (1900–1955)

  • 1930erDie Blütezeit der Altshauser Fasnacht, mit zahlreichen Hausbällen und Großveranstaltungen in den Gaststätten.
  • 1935–1939Das karnevalistische Element zieht ein: Altshausen feiert mit eigenem Prinzen, Prinzessin und Prinzengarde.
  • 1949Mutiger Neubeginn nach dem Krieg: Am Fasnetssonntag veranstaltet die Zunft „Narrhalla“ den ersten Nachkriegsumzug.
  • Frühe 1950erDie Fasnet bleibt bunt und karnevalistisch – mit Hofnarr, Elferrat und jährlichen Mottoumzügen.

OHA-Bruderschaft und Zunftwerdung (1956–1969)

Mitte der 1950er-Jahre wendet sich die Zunft vom Karneval ab und der schwäbisch-alemannischen Tradition zu.
  • 6.1.1956Im Gasthaus „Dreikönig“ in Bad Saulgau gründen die Narrenzünfte Ostrach, Herbertingen und Altshausen die OHA-Narrenbruderschaft. Pate ist die Dorauszunft Saulgau.
  • 1957Altshausen richtet am Fasnachtssonntag sein erstes OHA-Treffen aus.
  • 1958Die „Narrhalla“ verabschiedet ihren letzten Prinzen. Zugleich wird das „Inhaftieren“ geboren: Der erste Haftbefehl mit Namen und Haftgrund entsteht.
  • 1968Die Bräutlezunft Scheer wird als viertes Mitglied in die OHA-Narrenbruderschaft aufgenommen.
  • 1969
    Die Satzung wird verabschiedet, aus der „Narrhalla“ wird die Narrenzunft Altshausen.Der erste Inhaftiertenball findet statt.OHA- und Gabelzünfte gründen die Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON).

Wachstum und neue Gruppen (1974–1999)

  • 1974Altshausen ist Gastgeber des 1. VFON-Ringtreffens mit 25 Zünften.
  • 1982Die Zunft bezieht ihre eigene Narrenstube im Postsaalgebäude.
  • 1989/1990
    Nach 35 Jahren tritt Zunftmeister Fritz Maier zurück.1990 wählen die Mitglieder mit Anton Wieder erstmals einen Zunftmeister direkt in der Jahreshauptversammlung.Die Narrenzunft wird als eingetragener Verein (e.V.) ins Vereinsregister eingetragen.
  • 1992/1993Eine eigene Schalmeiengruppe mit 23 Personen wird gegründet, erster Auftritt 1993.
  • 1995Auf dem Rathausplatz wird der erste Narrenbaum gestellt.
  • 1997Die erste Narrennacht findet statt. Sie wird fortan dem traditionellen OHA-Treffen in Altshausen vorgeschaltet.

Wandel der Bräuche und das eigene Heim (2000–2019)

  • 2002Am Fasnetsdienstag findet die letzte Hexenverbrennung in Altshausen statt.
  • 2003Erstmals wird der Fasnetskehraus mit dem Narrenbaumfällen gefeiert. Die Schalmeiengruppe löst sich auf.
  • 2010
    Die Narrenzunft kauft das heutige Zunftheim-Gebäude.Mehr dazu ↓
  • 2011
    Wegen der Ortskernsanierung zieht die Zunft aus dem Postsaalgebäude aus und feierlich in das eigene Zunftheim ein.Mehr dazu ↓
  • 2015Die neue OHA-Fahne wird vorgestellt, und Altshausen ist erneut Austragungsort des VFON-Ringtreffens.

Die Gegenwart (ab 2020)

  • 2023Immaterielles Kulturerbe – Die Narrenzunft darf das Logo des Bundesweiten Verzeichnisses führen.
  • 2024Nach 14 Jahren Pause steigt die erste „Hemdglonker Party 2.0“. Außerdem ist Altshausen Gastgeber des 3. VFON-Ringtreffens.
  • 2025Die „Hemdglonker Party 2.0“ etabliert sich am Gumpigen Donnerstag als fester Kult-Termin.
  • 2026
    Altshausen richtet das 69. OHA-Bruderschaftstreffen aus.

Früher: die alte Zunftstube

  • Die alte Zunftstube im Gewölbekeller unter dem PostsaalDie alte Zunftstube im Gewölbekeller unter dem Postsaal
  • Die alte Zunftstube im Gewölbekeller unter dem PostsaalDie alte Zunftstube im Gewölbekeller unter dem Postsaal

Heute: das Zunftheim

  • Das neue Zunftheim in der HindenburgstraßeDas neue Zunftheim in der Hindenburgstraße
  • Im neuen ZunftheimIm neuen Zunftheim
  • Im neuen ZunftheimIm neuen Zunftheim
  • Im neuen ZunftheimIm neuen Zunftheim
  • Im neuen ZunftheimIm neuen Zunftheim
  • Die neue Zunftstube im ZunftheimDie neue Zunftstube im Zunftheim

Unser Zuhause

Von der alten Zunftstube zum neuen Zuhause

Im Jahr 2010 hieß es für die Narrenzunft Altshausen, Abschied zu nehmen. Die alte Zunftstube im Gewölbekeller unter dem Postsaal, in der auch die Schalmeien ihren Proberaum hatten, musste dem Abriss des alten Postsaals weichen. An seiner Stelle sollten ein REWE-Markt entstehen und ein neuer Postsaal gebaut werden.
Eigentlich war man davon ausgegangen, dass die Bauzeit nur wenige Jahre dauern würde. Doch manchmal kommt es anders, als man denkt: Ganze 14 Jahre sollte es dauern, bis der neue Postsaal schließlich fertiggestellt war.
Für die Narrenzunft war schnell klar, dass eine neue Bleibe hermusste. So wurde 2010 ein Haus in der Hindenburgstraße gekauft und mit viel Einsatz, Fleiß und handwerklichem Geschick umgebaut. Bereits 2011 konnte die Narrenzunft ihr neues Zuhause beziehen.
Was in dieser Zeit geleistet wurde, verdient großen Respekt. Zahlreiche Helferinnen und Helfer der Narrenzunft packten tatkräftig mit an und investierten unzählige Stunden, um aus dem Haus eine neue Heimat für die Zunft zu machen. Besonders die Unterstützung der Handwerker aus Altshausen trug entscheidend dazu bei, dass dieses Vorhaben gelingen konnte.
Ohne diesen Zusammenhalt, die vielen helfenden Hände und die Verbundenheit mit unserer Narrenzunft wäre all das nicht möglich gewesen. So entstand in der Hindenburgstraße nicht einfach nur ein neues Gebäude für die Zunft, sondern ein Zuhause, das von Gemeinschaft, Engagement und närrischem Herzblut geprägt ist.
Und während der neue Postsaal lange auf sich warten ließ, hatte die Narrenzunft Altshausen längst ein neues Kapitel ihrer Geschichte begonnen – dank all derer, die damals angepackt und gemeinsam etwas Bleibendes geschaffen haben.

Bilder aus der Geschichte

Wie sah die Fasnet früher aus?

Fasnet früher

  • Die erste HexenmaskeDie erste Hexenmaske
  • Fasnet früherFasnet früher
  • Fasnet früherFasnet früher

Galerie Zunfträte

  • Der Zunftrat 1973Der Zunftrat 1973
  • Der Zunftrat 2001Der Zunftrat 2001
  • Der Zunftrat 2004Der Zunftrat 2004
  • Der Zunftrat 2008Der Zunftrat 2008
  • Der Zunftrat 2014Der Zunftrat 2014
Der Narrenbaum 2025 steht in Altshausen, Zimmerleute und Zuschauer auf dem Platz

Narrenbaum

Wann wird in Altshausen der Narrenbaum gestellt?

Seit 1995 steht in Altshausen ein Narrenbaum, zunächst auf dem Rathausplatz. Gestellt wird er traditionell vor dem Rathaus. Zimmerleute stellen den Baum auf, dazu gibt es Maskentanz, die bekannte Hexenpyramide des Hexenzirkels und die Hexengeburt. Zum Ende der Fasnet wird der Narrenbaum am Fasnetsdienstag wieder gefällt. Seit 2003 gehört das Narrenbaumfällen zum Fasnetskehraus, den die Zunft danach im Postsaal feiert.
Der Narrenbaum 2021 im Schnee vor dem Schloss Altshausen
Der Narrenbaum 2021

Inhaftierung

Was ist das Inhaftieren in Altshausen?

Beim Inhaftieren „verhaften“ die Narren am Gumpigen Donnerstag Bürgerinnen und Bürger wegen eines lustigen Vorfalls aus dem vergangenen Jahr. Das Vergehen steht auf einem handgemalten Haftbefehl, den der Inhaftierte als Unikat behält. Frei kommt er heute mit einer freiwilligen Spende zugunsten der Zunftkasse.

Wie der Brauch entstand

Die damalige Narrenzunft „Narrhalla“ führte ihn Anfang der 1950er-Jahre aus der Not heraus ein: Für Masken und Häser war kaum Geld da. Die Narren besuchten wohlgesonnene Persönlichkeiten, „verhafteten“ sie symbolisch und boten ihnen den Freikauf gegen eine Spende an.

Wie die Haftbefehle zur Kunst wurden

Anfangs reichte ein Zettel mit dem Namen. 1958 gestaltete Paul Menold den ersten echten Haftbefehl mit Haftgrund. Von 1959 bis 1990 entwarf Max Lutz die Motive, von 1991 bis 2014 Uta Lachenmayer. Seit 2015 führt Kerstin Stöckler die künstlerische Gestaltung fort. Heute werden rund 330 bis 365 Haftbefehle von Hand koloriert, früher auch von Schulkindern im Unterricht.
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Inhaftierungskommandos

Sie schwärmen am Gumpigen Donnerstag von der Zunftstube aus.

Wer gehört zu einem Kommando?

Traditionell ein Zunftrat, ein Büttel, ein Hopfenweible, ein Schindele und ein bis drei Hexen. In vielen Häusern werden die Kommandos zum Dank mit Getränken und bodenständigen Speisen verwöhnt.

Und früher?

Ein Kleinbus diente als Arrestwagen: Die Inhaftierten wurden mit Blaulicht und Sirene direkt zum Haftlokal gefahren.

Haftbefehle aus fünf Jahrzehnten

Haftbefehl 1978
Haftbefehl 1978
Haftbefehl 1985
Haftbefehl 1985
Haftbefehl 2005
Haftbefehl 2005
Haftbefehl 2010
Haftbefehl 2010
Haftbefehl 2023
Haftbefehl 2023

Du hast Interesse oder möchtest einen Haftbefehl?

Anfrage Haftbefehl

Narrenmarsch

Gibt es einen Altshauser Narrenmarsch?

Ja. Der Altshauser Narrenmarsch mit dem Text von Alfred Stützle ruft die Figuren der Zunft zusammen: die Hexen mit ihren Besen, die Schindele mit ihren Blasen, die Hopfenweible mit vollen Körben und den Lätsch Vere mit seinem Koffer. Im Refrain heißt es „O-haa“, passend zum Gruß der Zunft. Die Büttel schellen aus – dann kommt ganz Altshausen heraus. Textdichter: Alfred Stützle Melodie (Komponist des Marsches): Alfred Kluten
Liedtext des Altshauser Narrenmarschs mit Refrain

Kulturerbe

Ist die Fasnet immaterielles Kulturerbe?

Ja. Die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht ist im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragen. Die Narrenzunft Altshausen pflegt dieses Brauchtum und gibt es an die nächsten Generationen weiter.
Hinweis: Schwäbisch-Alemannische Fastnacht, Eintrag im Bundesweiten Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Häufige Fragen

Kurz erklärt.

Seit wann gibt es die Fasnet in Altshausen?
Urkundlich erwähnt wird die Altshauser Fasnet erstmals 1414. Wann sie tatsächlich begann, ist mangels schriftlicher Quellen nicht bekannt.
Seit wann gibt es die Narrenzunft Altshausen e.V.?
Die Narrenzunft Altshausen, die aus der „Narrhalla“ hervorgegangen ist, gibt es seit 1969. Damals wurde die Satzung verabschiedet. Als eingetragener Verein (e.V.) besteht sie erst seit 1990.
Was bedeutet OHA?
OHA steht für die Narrenbruderschaft der Zünfte Ostrach, Herbertingen und Altshausen. Sie wurde am 6. Januar 1956 als Vereinigung der schwäbisch-alemannischen Fasnet in Oberschwaben gegründet. 1968 kam die Bräutelzunft Scheer als vierte Zunft hinzu.
Wann ist der Gumpige Donnerstag?
Der Gumpige Donnerstag ist der Donnerstag vor dem Fasnetssonntag. 2027 fällt er auf den 4. Februar. Es ist der Haupttag für das Inhaftieren, die Schülerbefreiung und die Rathausbesetzung.